Inklusion als Zukunftsaufgabe der Kinder- und Jugendarbeit
Verden/Hannover, 03. November 2025.
Wie können Kinder und Jugendliche mit Behinderung in ihrer Freizeit, in Jugendgruppen und in kirchlichen Angeboten selbstbestimmt teilhaben? Diese Leitfrage stand im Mittelpunkt der Landesfachkonferenz der Evangelischen Jugend der Landeskirche Hannovers im November 2025. Rund 100 Fachkräfte aus den Kreisjugenddiensten der Landeskirche Hannovers kamen in Verden zusammen, um aktuelle Forschungsergebnisse, Good-Practice-Modelle und Rahmenbedingungen für gelingende Inklusion zu diskutieren.
Empirische Befunde: Jugendliche mit Behinderung als Expert:innen ihres Lebens
Einen zentralen Impuls setzte Shih-cheng Lien vom Deutschen Jugendinstitut (DJI). Sie stellte Ergebnisse der Studie „Aufwachsen und Alltagserfahrungen von Jugendlichen mit Behinderung“ vor. Die Untersuchung zeigt:
- Jugendliche mit Behinderung verfügen – bei allen Unterschieden – über vielfältige Stärken und Kompetenzen.
- Teilhabe gelingt besonders dort, wo Peer-Beziehungen, selbstbestimmte Freizeitgestaltung, Mobilität, sowie barrierearme Räume möglich sind.
- Gleichzeitig berichten über die Hälfte der Befragten von Ausgrenzungserfahrungen; 80 % besuchen trotz offener Angebote kein Jugendzentrum.
Die Studie macht deutlich: Inklusion braucht verlässliche Strukturen, professionelle Fachkräfte und die konsequente Beteiligung junger Menschen an allen Entscheidungen, die ihr Leben betreffen.
Lebenshilfe Hannover: FINJA zeigt, wie inklusive Jugendarbeit gelingen kann
Mit FINJA – Freizeit inklusiv, jung, aktiv stellte die Lebenshilfe Hannover ein Praxisbeispiel vor, das bereits heute weit über die Region hinaus wirkt. Das Team präsentierte:
- mobile unterstützende Dienste (MuDi) und Assistenzangebote,
- inklusive Veranstaltungen im Begegnungszentrum Normal in Linden,
- Projekte wie „Kunst für alle“, „FINJA-Treff“ oder inklusive Partys,
- eine Schreibwerkstatt für Leichte Sprache und Fachberatung für Unterstützte Kommunikation.
Ihr zentrales Anliegen: Zugänge ermöglichen, Barrieren abbauen und Diversität als Ressource verstehen.
Deutlich wurde: Damit Inklusion flächendeckend gelingt, braucht es koordiniertes Fachwissen, Assistenz in der Praxis, verlässliche Finanzierung – und mutige Strukturen, die Partizipation junger Menschen nicht als Zusatz, sondern als Grundprinzip verstehen.
Aktuelle Entwicklungen aus der Evangelischen Jugend
Im Konferenzteil informierte das Landesjugendpfarramt über aktuelle Themen:
- Drei neue Mitarbeitende haben ihren Dienst aufgenommen; darunter ein neuer Projektreferent für das Forschungsprojekt „Weiter denken Zukunft Evangelischer Jugendarbeiten“.
- Die Vollversammlung der Landesjugendkammer bereitet die Verabschiedung der neuen Ordnung der Evangelischen Jugend vor.
- Gemeinsame Projektgruppen zu „Umgang mit Alkohol“ und „Juleica-Standards“ sollen künftig berufliche und ehrenamtliche Perspektiven stärker miteinander verzahnen.
- Die Kampagne zur Ansprache aller 14- bis 16-Jährigen der Landeskirche wird weiter ausgebaut; Erfahrungen aus der Testphase zeigen: Angebote wirken besonders, wenn sie konkret und lohnenswert sind.
- Die Präventionsarbeit gegen sexualisierte Gewalt wird weiter gestärkt – u. a. durch neue Materialien, Schulungen und eine engere Zusammenarbeit mit den Fachstellen.
- Für das Jahr 2026 erscheint eine neue Broschüre „Prävention auf Freizeiten“.
- Im Frühjahr 2026 wird die Plattform verANKERt.online mit Andachten der Evangelischen Jugend live gehen.
Gemeinsame Verantwortung – klare Botschaft
Alle Beiträge der Landesfachkonferenz wiesen in dieselbe Richtung:
Inklusion ist kein Sonderprojekt, sondern Grundauftrag kirchlicher Kinder- und Jugendarbeit – biblisch verankert, gesellschaftlich geboten und pädagogisch unverzichtbar.
Markus Steuer, Landesjugendwart in der ev.-luth. Landeskirche Hannovers, betont: „Junge Menschen mit Behinderung gehören selbstverständlich in die Mitte unseres Handelns. Sie sind Subjekte ihres Lebens. Es ist unsere Aufgabe, Räume zu gestalten, in denen sie gesehen werden, ihre Stimme Wirkung entfaltet und Teilhabe möglich wird.“