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Jugendforschung

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Die Jugendforschung liefert uns spannende Erkenntnisse für unsere Arbeit mit Kindern und Jugendlichen. Sie hilft uns, die Werte, Normen, Themen und Herausforderungen der je aktuellen Jugendgeneration wahrzunehmen. Es ist wichtig, dort auf der Höhe zu bleiben, um jungen Menschen ein gutes Gegenüber sein zu können.

Referent:innen des Landesjugendpfarramtes können deshalb zu Vorträgen, Workshops und Seminaren rund um das Thema Jugendforschung eingeladen werden. Außerdem gibt es auf dieser Seite immer wieder Hinweise auf Veröffentlichungen, die aus unserer Sicht für die kirchliche Arbeit mit Kindern und Jugendlichen von besonderem Interesse sind.

Intensiver bearbeitet dieses Themenfeld die Arbeitsgemeinschaft Ev. Jugend in Deutschland (aej), auch dere Referent:innen können zu Veranstaltungen oder Seminaren eingeladen werden.

aej: Soziologie und Forschung

Einige interessante Studien etc. im Überblick

Im folgenden findet ihr einige ausgewählte Studien im Überblick, die ich für besonders interessant und relevant halte für die Arbeit der Evangelischen Jugend.

In dieser Studie wurde die Ev. Jugend in Baden-Württemberg sehr intensiv beforscht - der Anspruch war eine "Vollerhebung". Der sehr hohe Rücklauf von 72% (!) ermöglicht eine sehr große Annäherung an die Realität. Die Daten wurden im Schuljahr 2021/22 erhoben, befragt wurden Gruppenleiter:innen und weitere verantwortliche Personen. Wie der Name schon nahelegt, war es eine Zweiterhebung, sodass die aktuellen Daten mit denen von 2012/13 verglichen werden können. Im Blick waren dabei neben der klassischen Jugendarbeit (Gruppen- und Einzelangebote) auch die musikalische Arbeit, Kindergottesdienst, Konfirmand:innenarbeit, Freiwilligendienste sowie Diakonische Arbeit.

Einige Ergebnisse im Überblick:

  • Über 40% der Freizeiten werden von Ehrenamtlichen geleitet, etwa ähnlich viele von gemischten Teams (Haupt- und Ehrenamt).
  • Es gibt 9.335 regelmäßige Gruppenangebote für junge Menschen in Baden-Württemberg mit knapp 160.000 Teilnehmenden und 8.942 Einzelangebote mit ca. 280.000 Teilnehmenden - die meisten Angebote und Teilnehmenden entfallen dabei auf die klassische Kinder- und Jugendarbeit.
  • Die Anzahl der evangelischen 6-26jährigen sank um 24%, während die allgemeine Demografie in diesem Alter in etwa konstant blieb.
  • 2/3 der Engagierten sind selbst noch Jugendliche bzw. junge Erwachsene.
  • Betreuungsschlüssel meist 3-4 Teilnehmende pro Teamer:in
  • 1/3 aller JuLeiCa-Anträge in Baden-Württemberg stammen aus der evangelischen Kinder- und Jugendarbeit.
  • 85% der regelmäßigen Gruppenangebote erhalten keinerlei öffentliche Förderung.

Kurze Einordnung: Diese Daten lassen sich natürlich nicht eins zu eins auf Niedersachsen übertragen, die generellen Trends sind aber höchstwahrscheinlich vergleichbar. Insofern ist diese Studie auch in unseren Zusammenhängen eine wertvolle Grundlage für jugendpolitische Forderungen in Kirche und Gesellschaft.

Zum Material

HSBC-Studie, die Datenerhebungen aus dem Jahr 2022 verarbeitet, lässt einen Blick auf die (psychische) Gesundheit junger Menschen in Deutschland zu. Da diese Umfrage seit dem Schuljahr 2009/10 regelmäßig durchgeführt wird (zuletzt 2017/18), lassen sich Langzeitentwicklungen gut verfolgen.

Die Ergebnisse der aktuellen Studie in Kurzform:

Der Großteil der Kinder und Jugendlichen berichtet eine gute subjektive Gesundheit und eine hohe Lebenszufriedenheit. Etwa die Hälfte der Mädchen und ein Drittel der Jungen berichten multiple psychosomatische Gesundheitsbeschwerden, mit einem deutlichen Anstieg im zeitlichen Verlauf. Ältere Jugendliche, Mädchen und Genderdiverse haben ein erhöhtes Risiko für ein geringes Wohlbefinden. Zwischen 2009/10 und 2022 variierten die subjektive Gesundheit und die Lebenszufriedenheit mit einer deutlichen Verschlechterung von 2017/18 zu 2022. ...
Der hohe Anteil von Kindern und Jugendlichen mit psychosomatischen Beschwerden sowie die aufgezeigten Geschlechts- und Altersdiskrepanzen verdeutlichen den Bedarf an zielgruppenspezifischer Prävention, Gesundheitsförderung und einem kontinuierlichen Gesundheitsmonitoring.

RKI

Zur Studienpublikation

Eine der wichtigsten Jugendstudien in Deutschland ist die SINUS-Studie, die ca. alle 4 Jahre veröffentlicht wird. Hier werden verschiedene Lebenswelten vorgestellt, in die sich die je aktuelle Jugendgeneration nach Ansicht der Forscher:innen aufteilen lässt. Diese Aufteilung entsteht durch eine Vielzahl qualitativer Interviews mit jungen Menschen, was zur Folge hat, dass zwar die Lebenswelten beschrieben, jedoch keine statistischen Zahlen zur Aufteilung in diese Lebenswelten geliefert werden können.

So entsteht ein guter Überblick über die Werte junger Menschen, ihre Lebenssituation und ihre Wahrnehmung von Gesellschaft, Arbeitswelt, Politik oder Kirche.

Die Studie kann kostenfrei heruntergeladen werden, eine Zusammenfassung ist ebenfalls online erhältlich.

SINUS-Institut

Übersichtsseite SINUS-Jugendstudie 2024

In einer europaweiten, repräsentativen Umfrage im April 2024 wurden junge Menschen (15-30 Jahre) zu ihrer Beteiligung am bürgerschaftlichen und demokratischen Leben befragt. Die Ergebnisse sind deutlich: 64% gaben an, in den letzten 12 Monaten an den Aktivitäten mind. einer Organisation teilgenommen zu haben. Die wichtigsten Themen waren dabei Menschenrechte (34%) sowie Klima und Umwelt (33%).

Die Pressemeldung findet sich hier.

Zu den ausführlichen Ergebnissen (englische Seite)

Das Bundesministerium für Familie, Senioren, Frauen und Jugend hat in Kooperation mit verschiedenen Expert:innen (u.a. vom Bundesjugendring) neue Qualitätsstandards für Kinder- und Jugendbeteiligung entwickelt, der hilfreich und lesenswert ist, grundsätzliche Aspekte des Themas gut beleuchtet und die einzelnen Arbeitsbereiche gezielt in den Blick nimmt. So gibt es für jeden Arbeitsbereich (z.B. Jugendverbandsarbeit) einen eigenen einseitigen Qualitätsstandard, der gut mit jungen Menschen diskutiert werden kann und dabei hilft, die eigene Beteiligungskultur zu überprüfen.

Darüber hinaus ist das Grundlagenkapitel sehr hilfreich und weist sechs Dimensionen von Beteiligung aus, die auch mit Kirchenleitenden, Politiker:innen etc. gut besprochen werden können, um die Partizipation junger Menschen voran zu bringen. Da diese Veröffentlichung von der Bundesregierung beauftragt worden ist, kann gerade im Gespräch mit Politik gut darauf verwiesen werden.

Durch das gut strukturierte Inhaltsverzeichnis kann man leicht zu den Kapiteln finden, die für die eigene Arbeit von Interesse sind.

BMFSJ (Hrsg.)

Mitwirkung mit Wirkung

Es ist schon etwas her: lange vor Corona haben sich Wolfgang Blaffert und Tim von Kietzell gemeinsam mit einigen Mitstreiter:innen auf den Weg gemacht und in der ganzen Landeskirche junge Menschen zu ihrem Glauben und ihrem Gottesbild befragt. Nicht plump per Fragebogen, sondern mithilfe von verschiedenen kreativen Methoden.

Herausgekommen ist ein großer Schatz von Texten, Bildern und Gedanken, aus dem ein Theaterstück und eine Ausstellung entstanden sind. Mit beiden waren sie dann wiederum in Niedersachsen unterwegs, um mit jungen und alten Menschen ins Gespräch zu kommen, was Glaube heute eigentlich ausmacht, wie sie sich Gott vorstellen und was das mit ihrem Leben zu tun hat.

Am Ende dieses intensiven Projekts bleiben - neben vielen wertvollen Begegnungen - eine Sammlung von spannenden Antworten rund um das Thema "Eine Vorstellung von Gott". Wolfgang Blaffert hat diese gesammelt und thematisch zusammengestellt. Diese Auswertung unter dem Titel "Vorstellungen von Gott. Eine Expedition durch den Kontinent jugendlichen Glaubens" kann hier heruntergeladen werden:

Wolfgang Blaffert

Vorstellungen von Gott

Silke Gütlich aus der Ev. Jugend in Westfalen hat ihre Doktorarbeit zum Thema "Bedarfe einer zukunftsfähigen Jugendarbeit" verfasst. Ihre Ergebnisse sind natürlich auch für uns in Niedersachsen interessant.

Die Arbeit findet sich hier:

Silke Gütlich

Bedarfe einer zukunftsfähigen Jugendarbeit

In der Untersuchung "Wir sind auf dem Weg - und ihr?" wird beschrieben, was junge Menschen bewegt und was ihre Wünsche, Ideen und Perspektiven in und mit der evangelischen Jugendarbeit sind. So wird das Schlagwort "Partizipation" mit Leben gefüllt und beispielhaft deutlich, was so entstehen kann. Bei der Erarbeitung dieser Veröffentlichung waren auch einige Vertreter:innen der Ev. Jugend Hannovers beteiligt.

Agnetha Bartels, Claudia Taylor (Hrsg.)

Wir sind auf dem Weg - und ihr?

Janne Neumann hat in ihrer Bachelorarbeit Kirchenkreisjugendkonvente untersucht und etwa danach gefragt, wie Partizipation gelingt, welche Motivation die Teilnehmenden haben, wie sie Zugang zum Konvent gefunden haben oder wie relevant Hauptamtliche und Wertschätzung sind und welche Unterstützungsbedarfe durch Hauptamtliche es gibt.

Eine Zusammenfassung kann hier heruntergeladen werden:

Janne Neumann

Zusammenfassung: Motivation und Voraussetzungen für die Partizipation KKJK (BA)

Eine Studie über hochreligiöse evangelische Jugendliche

2018 - also deutlich vor der Corona-Pandemie - hat ein Forscherteam um Tobias Faix und Tobias Künkler die Studie "Generation Lobpreis" veröffentlicht, die sich intensiv mit der Gruppe hochreligiöser junger Menschen beschäftigt und dabei auf die Jugendlichen fokussiert, die sich selbst als evangelisch verstehen. Zur Einordnung: ca. 20% der Jugendlichen in Deutschland gelten als "hochreligiös" und viele dieser jungen Menschen sind auch in der Ev. Jugend unterwegs. Ein genauer Blick lohnt sich also!

Der Titel spiegelt die bemerkenswerte Auswertung wider, dass 64% der befragten hochreligiösen Jugendlichen Lobpreismusik als "glaubensstärkend" empfinden - der höchste Wert, deutlich vor Gebet oder Bibellesen, die eigentlich erwartet worden waren. Sie sind überdurchschnittlich in Gemeinden engagiert, weil es ihnen Spaß macht. Gemeinschaft ist aus ihrer Sicht in der Kirche am wichtigsten und das Gottesbild ist vor allem das eines liebenden Gottes.

Manche Vorurteile werden fast nebenbei abgeräumt: Missionieren möchten sie eher nicht, über ihren Glauben sprechen sie aber durchaus gerne und viel. Social Media spielt für ihr Glaubensleben eine sehr geringe Rolle (zumindest vor Corona) und jede:r Dritte engagiert sich auch außerhalb des christlichen Kontextes.

Diese Studie zeigt für mich: es lohnt sich für uns als Ev. Jugend, uns mit dieser Zielgruppe unserer Arbeit zu beschäftigen und dabei auch den Bereich der (Lobpreis-)Musik kritisch-konstruktiv in den Blick zu nehmen.

Neugierig geworden? In seinem Blog stellt Tobias Faix einige Ergebnisse beispielhaft vor und verweist dort auch auf den Forschungsbericht und das Buch zur Studie.

Tobias Faix

Generation Lobpreis. Erste Ergebnisse der empirica-Jugendstudie 2018

Unter panelstudie.de sammelt und analysiert ein Forschungsteam um Prof. Wolfgang Ilg, der selbst von der evangelischen Jugendarbeit geprägt ist, Daten zu Kinder- und Jugendfreizeiten und internationalen Begegnungen. Zwischenergebnisse werden laufend veröffentlicht (alle 2 Jahre), um so auch Trägern und Politik verdeutlichen zu können, wie wichtig dieses Arbeitsfeld im Kontext der Arbeit mit jungen Menschen ist und bleibt.

Besonders von Interesse sind aktuell zwei Veröffentlichungen:

  • Die Datenanalyse von 2019/2020 (natürlich unter Berücksichtigung der Einschränkungen durch Corona)
  • Ein Factsheet (s.o.), das daraus entwickelt und grafisch so aufbereitet wurde, das es auch öffentlichkeitswirksam verwendet werden kann
Datenanalyse 2019 + 2020

In den letzten zwei Jahren sind viele Studien rund um das Thema "Junge Menschen und Corona" veröffentlicht worden. Hier alles im Blick zu behalten ist kaum möglich. Diese kleine "Synopse" wichtiger Studien soll dabei helfen und kann heruntergeladen werden. Sie ist als kleine Arbeitshilfe gedacht und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit!

Markus Steuer

Synopse Corona-Studien

Unter dem Titel "Auswirkungen der Coronapandemie auf jugendverbandliche Freizeitmaßnahmen" hat der Deutsche Bundesjugendring die Ergebnisse einer Umfrage aus dem Jahr 2022 unter seinen Mitgliedsverbänden veröffentlicht.

Bemerkenswerte Ergebnisse sind z.B.:

  • Das ehrenamtliche Engagement in den Verbänden ist während Corona deutlich zurückgegangen. Die helfenden Verbände (THW, Feuerwehr...) sind davon weniger betroffen als etwa die Ev. Jugend. Auch ist ein Stadt-Land-Gefälle zu sehen: im ländlichen Raum fällt der Rückgang weniger deutlich aus.
  • Die Anmeldezahlen haben tendenziell abgenommen, obwohl vereinzelt auch gegenläufige Trends zu beobachten sind.
  • Die Dauer der Maßnahme ist meist gleich geblieben, jedoch sind die Gruppen eher kleiner geworden und die Ziele regionaler.
  • Ein großes Problem ist der massive Rückgang von Übernachtungs- und Bildungsstätten (trotz der staatlichen Rettungspakete). Die "infrastrukutrellen Grundvoraussetzungen für Jugendfreizeitmaßnahmen" sind "erheblich erschüttert".
  • Bei allen Beteiligten (Teilnehmende, Teamende, Leitende) ist eine geringere Belastbarkeit feststellbar, was sich u.a. in einer schnelleren sozialen und psychischen Überforderung zeigt.

Lars Reisner, Wolfgang Ilg

Auswirkungen der Coronapandemie auf jugendverbandliche Freizeitmaßnahmen

Die Autorinnen untersuchen in dieser Studie verschiedene Projekte, bei denen der BDKJ des Erzbistums Paderborn bzw. der BDKJ des Bistums Osnabrück mit Ganztagsschulen kooperiert und dabei verschiedene Konzepte entwickelt haben. Insgesamt wurden Angebote an sieben verschiedenen Schulen mit je anderen Kontextbedingungen (Stadt/Land, Schulform etc.) ausgewählt, um eine möglichst breite Datenbasis zu erhalten.

Dabei wurde deutlich, dass hinsichtlich der pädagogischen Ziele weitgehend Einigkeit zwischen Schulen und Jugendverbänden herrscht, die Wege jedoch verschieden sind und sich potenziell ergänzen. In der Praxis erbringen dann die Jugendverbände eine deutliche höhere Anpassungsleistung an das „System Schule“ als andersherum – teilweise so stark, dass wesentliche Prinzipen der Jugendverbandsarbeit fast vollständig aufgegeben werden (müssen). Als solche Prinzipien benennt die Studie Freiwilligkeit, Partizipation, Selbstorganisation, Ehrenamtlichkeit, Demokratie, Glaube und Lebensweltbezug, wobei Freiwilligkeit, Partizipation und Ehrenamtlichkeit besonders untersucht und als „unter Druck stehend“ beschrieben werden. Dies führt teilweise auch zu einer sehr schwachen Bindung an den Jugendverband.

Insgesamt wird eine Asymmetrie zwischen Schule und Jugendverbandsarbeit deutlich. Jugendverbandsarbeit wird ein Platz im System zugewiesen (Hausaufgabenbetreuung, Übermittagsbetreuung oder AGs im Nachmittagsbereich), sie werden aber nicht an der Konzeptenzwicklung für den Ganztag oder gar die Schule insgesamt beteiligt. Der Effekt der (teilweise erhofften) Mitgliedergewinnung für die Verbände konnte nicht beobachtet werden, ebenso wenig dezidiert religiös konnotierte Aspekte.

Dort, wo es gelingt, mit Schulleitungen in ein Gespräch auf Augenhöhe zu kommen, in dem Chancen und Grenzen einer Kooperation benannt werden und multiprofessionelle Teams gebildet werden, zu denen möglichst auch Ehrenamtliche gehören, kann eine Kooperation von Schule und Jugendverbandsarbeit für die ihnen beiden anvertrauten jungen Menschen aber durchaus positive Auswirkungen haben.

Die Studie ist 2023 erschienen und reflektiert so einen sehr aktuellen Stand. Wer über eine Kooperation mit einer Ganztagsschule nachdenkt, findet in dieser Studie viele Hinweise, worauf zu achten ist, um die eigene (Verbands-)Identität nicht zu sehr aufzugeben und Argumentationshilfen dafür, etwa im Gegenüber mit Schulleitungen oder Schulämtern.

Link zur kostenfreien PDF der Studie

Die kleine Studie "Jugendarbeit im Takt einer beschleunigten Gesellschaft" aus dem Jahr 2014 - und damit natürlich lange vor Corona - kann dennoch hilfreiche Impulse geben. Hier wird mit Hilfe einer größeren Umfrage dezidiert auf die Jugendverbandsarbeit geschaut mit dem Fokus auf Reaktionsbedarf und -möglichkeiten der Verbände auf die zeitliche Verdichtung des Alltags junger Menschen.

Einige Ergebnisse (kurz vorgestellt):

  • Die Verbände beobachten fast durchgehen eine "Verjüngung des Ehrenamts" (biografisch früherer Einstieg und Ausstieg) sowie eine Verlagerung der Aktivitäten auf das Wochenende.
  • Studierende sind die Gruppe junger Menschen, die sich im Schnitt zeitlich am stärksten engagieren - häufig aber Schwierigkeiten mit der Vereinbarkeit von Studium, Nebenjob(s) und Ehrenamt haben.
  • Gut 50% der Engagierten unter 22 Jahren würden sich zeitlich gerne noch stärker engagieren, tun dies jedoch aus verschiedenen Gründen aktuell nicht.
  • 75% der Ehrenamtliche geben an, dass sich ihr Engagement grundsätzlich gut mit Ausbildung, Schule oder Studium verbinden lässt und ihr Engagement einen hohen Stellenwert in ihrem Leben einnimmt.
  • Allerdings: vor allem diejenigen, die sich bereits stark engagieren (mind. 5h/Woche) fühlen sich häufig durch ihr Engagement gestresst.
  • Mehr als die Hälfte der Befragten wünscht sich, häufiger ohne konkrete Tätigkeit Zeit mit Personen aus derm Verband zu verbringen.

Auch wenn die Zahlen veraltet sind und die Corona-Auswirkungen zu berücksichtigen sind, wird deutlich, dass das Engagement junger Menschen in Jugendverbänden insgesamt gut aufgestellt ist und zu bleiben scheint, teilweise sogar der Wunsch nach noch mehr Engagement besteht. Mit Blick darauf, dass sich Erwachsene vor allem dann ehrenamtlich engagieren, wenn sie das auch als Jugendliche getan haben, macht das Mut für die Zukunft und verdeutlicht die hohe Bedeutung von Jugendverbänden für Zukunft und Gegenwart unserer Gesellschaft. Das dürfen wir auch im Gegenüber zu Kirchenleitungen, Politik, Schule oder Eltern freundlich und selbstbewusst formulieren...

Link zum Verlag

Ansprechpartner:in

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Markus Steuer