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Gegen-Sätze I

Sorgt euch

Er schaut in jede Scheibe und verwendet sie als Spiegel. Was er dort sieht, gefällt ihm nicht. Er fühlt sich verfolgt von einem Abbild, das ihn verhöhnt. Diese Gestalt da im Fensterglas will er nicht sein. Das ist er nicht. Ist er doch!
 Die eigene Haut wird ihm fremd in solchen Momenten. Manchmal liegt er nachts mit zugeschnürter Kehle und malt sich aus, was alles schiefgehen könnte.
„Sorgt euch“, liest er irgendwo im Vorübergehen. Ja, denkt er, da mache ich mit. Das kann ich! Er ist schon fast dran vorbei und bekommt gerade noch ein „nicht“ mit. „Sorgt euch nicht“. Wie soll das denn gehen, fragt er sich? Ich stecke bis zum Hals in Sorgen und Befürchtungen.
Auch hinter dem „nicht“ scheint der Satz noch weiterzugehen. Er könnte sich Zeit nehmen, ihn ganz zu lesen. Aber dazu müsste er umkehren. Es zieht ihn weiter. Morgen ist auch noch ein Tag, denkt er, morgen.

Sorgt euch nicht um das Leben, was ihr essen sollt, auch nicht um den Leib, was ihr anziehen sollt. Denn das Leben ist mehr als die Nahrung und der Leib mehr als die Kleidung. Macht euch keine Unruhe.
(Lukas 12,22b-23+29b)

  Wolfgang Blaffert

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