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"Rechtfertigung" oder der Spaß am Spiel

so einfach und klug

„Und wenn Ihr einen Fehler macht, hebt Ihr die Hand und ruft: „Ja, ich hab’s verbockt!“ sagt die Kursleiterin für Improtheater und erntet jede Menge skeptischer Blicke. „Fehler sind wichtig! Sie eröffnen uns neue Möglichkeiten. Ihr müsst lernen, den inneren Zensor zu überlisten.“
„Oh Gott, das kann ich nicht,“ stöhnt einer leise. Andere nicken. Das haben sie sich müheloser vorgestellt.
Fehler machen – ein No Go im kirchlichen Bereich. Wir reden gerne von Gnade und Erlösung und meinen doch immer die anderen - niemals uns selbst. Wir brauchen das nicht! Wir sind die Meister der Selbsterlösung. Wir müssen funktionieren. Wir achten darauf, dass wir perfekt sind. Klappt zwar nicht, klappt nie, aber dann heißt es eben: sich noch mehr anstrengen. Manche nennen das Qualitätsmanagement.
Inzwischen ist das Aufwärmspiel in vollem Gange. Keine Chance, dass man ohne Fehler bleibt. Es trifft jede und jeden. Längst haben sich die Verkrampfungen gelöst. Es wird gelacht. Hemmungslos!
Irgendwann hebt eine den Arm und ruft: „Ja, ich hab’s verbockt!“ Sie strahlt! Das steckt an. Und so zieht sich dieser Satz durch die Woche, während man förmlich zusehen kann, wie den Teilnehmenden Zentnergewichte vom Herzen fallen. Sie begreifen plötzlich, dass ihnen ein Vorschuss an Wohlwollen und Zustimmung gegeben ist, den sie niemals aufbrauchen können.

Was für ein wunderbares Beispiel für Rechtfertigung, denke ich. Wie einfach und wie klug!
„Ja, ich hab’s verbockt!“ oder 
„Eure Rettung ist wirklich reine Gnade, ... Ihr selbst habt nichts dazu getan, sie ist Gottes Geschenk“                   (Eph. 2,8).
Nehmt es an! Es macht euch sooo leicht!
Wolfgang Blaffert

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