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Tagung in Loccum

Auf dem Weg zur Kirche des gerechten Friedens

(v.l.) Claudia Nickel und Gesa Lonnemann von der aejn vertreten die Jugendverbände bei der Tagung. Bild: Stefan Heinze

„Einsatz für Gerechtigkeit, Frieden und Bewahrung der Schöpfung sollten wir nicht aus Angst bringen und schon gar nicht durch erzeugen von Angst. Wir setzen uns für den Frieden ein aus Liebe zum Leben und für ein gutes Leben aller Menschen!“

Mit diesen programmatischen Worten eröffnete Pastor Lutz Krügener, Referent für Friedensarbeit im Haus kirchlicher Dienste der Landeskirche Hannovers, eine dreitägige Tagung in der Akademie Loccum zu dem Thema: „Kirche des gerechten Friedens werden – Wie geht das konkret in Niedersachsen.“ Zusammen mit dem Tagungsleiter Dr. Thomas Müller-Färber hatte er dieses Treffen für alle evangelischen Kirchen in Niedersachsen organisiert. Rund 60 Teilnehmende waren der Einladung gefolgt, die fast alle in der Friedensarbeit aktiv sind.

Die Arbeitstagung begann mit  einem inspirierenden Eingangsvortrag von dem ehemaligen Auslandsbischof der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) Martin Schindehütte. Die anschließenden Podien beschrieben die Aufbrüche vieler Kirchen in der Friedensfrage. Der Kirchenpräsident der evangelisch-reformierten Kirche, Dr. Martin Heimbucher, beschrieb beispielsweise, wie die direkte Begegnung mit Geflüchteten und die Besuche im Libanon das Nachdenken über einen friedlichen Umgang miteinander ganz neu beleben. Dr. Roger Mielke, Oberkirchenrat der EKD, dankte dafür, dass diese Anstöße aus den Kirchen kommen. Im November 2019 wird die EKD deshalb eine Themensynode zum „Frieden“ durchführen.

Allen Anwesenden war deutlich, wie wichtig eine Orientierung in heutiger Zeit ist, in der die Bedrohung des inneren und äußeren Friedens wächst und vermeintliche Lösungen oft in dem Einsatz von Gewalt gesucht werden. Am zweiten Tag stellten sich in einem „Gallery-Walk“ exemplarisch acht Orte vor, die in Niedersachsen in der Friedensbildung engagiert sind. Vom Antikriegshaus in Sievershausen bis zur Dokumentationsstätte zu Fluchtgeschehen in Norden konnte die Fülle der Ansätze in der Friedensarbeit erfahren werden. 

In Arbeitsforen zu den Bereichen: Zivile Konfliktbearbeitung, Bewahrung der Schöpfung, Flucht, Erinnerungskultur, Gerechtigkeit und Entwicklungszusammenarbeit wurden neue Ideen entwickelt. Am Abend beschrieb Prof. Dr. Klara Butting, Friedensort Woltersburger Mühle, in einem Vortrag die spirituelle Dimension des „Gerechten Friedens“. Ausgangs- und Zielpunkt sei immer die Weite des biblischen Schalom, die das Heil für alles Lebendige sucht. Eindrücklich unterstrich Butting, dass  Einsatz gefordert ist: „Gott will uns in die Gänge bringen!“ und „Gott glaubt an uns Menschen“ für seine ganze Schöpfung.

Am Abendpodium beschrieb der Walsroder Superintendent Ottomar Fricke sehr persönlich, wie er früher für den Frieden auf die Straße gegangen ist, auch gegen kirchliche Positionen angetreten ist und wie heute diese Positionen unsere Kirche bestimmen. Als Synodaler und Vorsitzender der Fonds „Friedenswege“ kann er sehr bewusste Akzente für die Friedensarbeit in der Landeskirche setzen.

Gesa Lonnemann von der Arbeitsgemeinschaft evangelischen Jugend in Niedersachsen und im Anne-Frank-Haus Oldau engagiert, beschrieb das oft übersehene Engagement der Jugendverbände und forderte, dass diese stärker vertreten sind und bei einer nächsten Tagung sichtbarer werden. Oberlandeskirchenrat Rainer Kiefer, Landeskirche Hannovers, unterstrich, dass bei allen positiven Entwicklungen, sich „Die Kirche“ noch nicht als eine „Kirche des gerechten Friedens“ versteht. Es wird wohl immer ein Weg bleiben und die Tagung  sei ein wichtiger Schritt auf diesem Weg. Pastor Olaf Grobleben, Beauftragter für Ethik in der Oldenburgischen Kirche, prägte für diesen gemeinsamen Weg den Begriff: “Dem Elefanten das Tanzen lehren.“

Die Tagung endete nach zwei intensiven Tagen mit konkreten Verabredungen. Insbesondere soll dem Engagement der Jugend mehr Raum gegeben werden. Die Kirche solle sich mutiger in die aktuellen Debatten einbringen und gegebenenfalls auch die Konfrontation mit der Politik eingehen. Dies wurde insbesondere mit Blick auf die Rüstungsexporte und eine wachsende Aufrüstungs- und Abschottungspolitik gefordert.

HkD, Gunnar Schulz-Achelis

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