Träumen
Träumen ist Medizin.
Wer nicht träumen kann, wird krank. Das sagt uns die Schlafforschung. Träume entrümpeln unsere Seele. Sie helfen uns, gesund zu bleiben.
Träumen ist Gift.
Wer ständig träumt, vergisst zu leben. Viele Momente sind schöner sind als jeder Traum. Viele Begegnungen sind tiefer als jeder Traum. Wer keine Augen für die Gegenwart hat, verpasst die besten Gelegenheiten.
Träumen ist eine Kunst.
Es gibt viele Gründe, tot zu sein, bevor man gestorben ist. Wer nicht träumt, traut dem Leben nichts zu. Träume halten uns in Bewegung. Sie malen unsere Welt bunt an. Sie sorgen dafür, dass wir uns nicht zufrieden geben mit dem, was ist. Das Leben ist mehr! Die Welt ist größer! Träume sind die hellen Sterne am Himmel, die uns auf Kurs halten, auf Entdeckungskurs.
Träumen ist Voraussehen.
Manchmal träumen wir in merkwürdigen Bildern. Wir verstehen nicht sofort, was sie aussagen wollen. Aber wir spüren, dass sie eine Bedeutung haben. Sie sind Botschaften, die wir erst nach und nach erkennen. Auf ganz eigene Weise drücken sie eine Wahrheit aus. Wir sind oft schneller im Träumen als im Begreifen.
Wenn wir träumen, bekommen wir Flügel.
Biblischer Text
Genesis 28, 10-16
10 Jakob machte sich auf den Weg... 11 Er kam an einen Platz und übernachtete dort, weil die Sonne gerade untergegangen war. Hinter seinen Kopf legte er einen der großen Steine, die dort umherlagen. Während er schlief, 12 sah er im Traum eine breite Treppe, die von der Erde bis zum Himmel reichte. Engel stiegen auf ihr zum Himmel hinauf, andere kamen zur Erde herunter. 13 Der Herr selbst stand ganz dicht bei Jakob und sagte zu ihm: »Ich bin der Herr, der Gott deiner Vorfahren Abraham und Isaak. Das Land, auf dem du liegst, will ich dir und deinen Nachkommen geben. 14 Sie werden so unzählbar sein wie der Staub auf der Erde und sich nach allen Seiten ausbreiten, nach West und Ost, nach Nord und Süd… 15 Ich werde dir beistehen. Ich beschütze dich, wo du auch hingehst, und bringe dich wieder in dieses Land zurück. Ich lasse dich nicht im Stich und tue alles, was ich dir versprochen habe.« 16 Jakob erwachte aus dem Schlaf und rief: »Wahrhaftig, der Herr ist an diesem Ort, und ich wusste es nicht!«
Wolfgang Blaffert