Was für ein Bild! Zwei an einem Tisch. Nah beieinander.
Und ganz weit weg. Rechtes Ohr, linkes Ohr – handyverstopft. Stimmen von weit entfernt.. Kein Blick für den Nachbarn neben sich. Da sitzen zwei und kommunizieren, während sie sich doch auch unterhalten könnten.
Ein Bild, das zum Lachen ist und zum Weinen.Jene, die uns am Herzen liegen, sind irgendwo, und unsere Aufmerksamkeit ist gefesselt an Apparate. Die, die mit uns sind, scheinen uns nicht sonderlich zu interessieren. Wir sind überall – nur viel zu selten hier. Zerstreut statt gesammelt. Flexibel, aber ohne Mitte.
„Wer ist denn mein Nächster?“ wird Jesus von einem Schriftgelehrten gefragt, und der antwortet ihm mit einer Geschichte (Lukas 10, 25-37), in der es um Aufmerksamkeit geht, um Wachheit, um Geistesgegenwart und darum, im Hier und Jetzt zu bleiben.
Nähe ist der beste Weg, wenn man weit kommen will.
Jedes Photo hält nur einen Moment fest, ohne zu verraten, was danach geschieht.
Und so könnte es weitergehen:
Zwei an einem Tisch. Weit weg. Das Licht spiegelt sich im Wasser. Es ist einer der letzten schönen Herbsttage, ehe der Winter die Menschen in die Mäntel jagt. Die beiden sitzen beinahe Schulter an Schulter, ganz in ihren Fernsprech vertieft. Ein Seitenblick. Noch einer, und plötzlich merken, sie was sie da tun. Sie fangen an zu lachen. Dann legen sie die Handys weg und beginnen zu reden. Miteinander…
Wolfgang Blaffert