Am 18. und 19. Januar wütete in Europa der Sturm »Kyrill«. 34 Menschen sind in dessen Folge gestorben, 13 davon in Deutschland. Mindestens eine Milliarde Euro kosten allein die Schäden in Deutschland. Während der Unterrichtsausfall aufgrund des Sturms den meisten Schülerinnen und Schülern gefiel, waren die anderen Folgen alles andere als witzig. Es traf übrigens auch die bundesweiten Koordinierungstreffen für die Kirchentagsvorbereitungen in Köln. Viele Anreisende sind unterwegs im wahrsten Sinne des Wortes »auf der Strecke geblieben«, weil der Verkehr nicht mehr rollte. Alles Fingerzeige, um über die Schöpfung, den Klimawandel und unsere Verantwortung sowie unser Verhalten nachzudenken. Damit steht eine Kleinigkeit im Zusammenhang, die mir nicht aus dem Kopf geht: Der Name des Sturms »Kyrill«. Dieser Name war ein Geschenk. Ein Vater sollte von seiner Familie zum Geburtstag etwas ganz besonderes bekommen: den Namen eines Hochdruckgebiets. In ungeraden Jahren bekommen diese aber weibliche Namen, also wurde ein Tiefdruckgebiet nach dem Mann namens Kyrill benannt. Aus dem Tiefdruckgebiet wurde ein schwerer Sturm. Dafür kann der Beschenkte nichts. Ich habe mich dennoch gefragt, wie er sich als Namenspatron des Sturms gefühlt hat. Und weiter frage ich mich, was machen wir Menschen da eigentlich? Wie gehen wir mit uns und unserer Welt um? Zeigt diese sicherlich nicht beabsichtigte Folge eines Namensgeschenks, wie wir in die Irre gehen? Der Sturm zeigt deutlich, wie wir in die Irre gehen. Wir haben nicht die Definitionsmacht über das Wetter! Aber mittlerweile trägt es einen menschlichen Namen. Wir haben die Definitionsmacht nicht, aber die Natur trägt unsere Handschrift. Und es ist kein schöner Schriftzug, den wir da zu lesen bekommen. Wir haben die Definitionsmacht nicht, aber wir sind dabei, Mächte zu entfesseln, die wir nicht zurückrufen können.Da lohnt sich das Nachdenken und das Umdenken! »Kyrill« ist ein schöner Name, finde ich. Es ist ein griechisches Wort und bedeutet »der Herrliche«. Der Familienvater weiß sicherlich, dass sein Name zugleich der eines frühen Christen ist, einer, der später heilig gesprochen wurde: Cyrill von Jerusalem. Er lehrte um 350 als Bischof von Jerusalem. Von ihm sind frühchristliche Vorlesungen für Taufanwärter erhalten. In der Taufe ruft Gott uns bei unserem Namen. Nicht umsonst ist ein beliebter Taufspruch »Fürchte dich nicht, denn ich habe dich erlöst; ich habe dich bei deinem Namen gerufen; du bist mein!«. Jesaja 43, 1 Ich verstehe dieses Wort als Einladung, dass wir gut überlegen, wem wir worüber die Definitionsmacht zugestehen. Ich verstehe dieses Wort als Aufforderung, neu über uns selbst nachzudenken. Wer sind wir? Wie verstehen wir uns? Vielleicht entdecken wir, wie schön Gottes Angebot ist, dass er uns bei unserem Namen ruft. Das kann ich auch als einen Hinweis darauf verstehen, wie wir mit dieser Welt und den drängenden ökologischen Fragen wie dem Klimawandel umgehen sollen: behutsam und achtsam, indem wir uns unserer Verantwortung bewusst bleiben. Wenn wir uns als Teil der Schöpfung verstehen, dann können wir uns nicht anmaßend und herrschsüchtig über Bereiche erheben, die wir nicht im Griff haben. Ich freue mich, dass wir in der Evangelischen Jugend unsere Verantwortung als von Gott gerufene Menschen ernst nehmen. Darin möge etwas von Gottes Herrlichkeit (»Cyrill«) erkennbar werden!
Cornelia Dassler, Landesjugendpastorin |








