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Kopf oder Kürbis?

Ein überholtes und ein hochmodernes Fest

 

Halloween in Deutschland wird 13 Jahre alt – die Reformation 491. Klar, welches Fest alt aussieht, oder?
Ja, wenn das Neueste immer das Beste ist!  
Aber dann kann kein Roman mit der Tagesausgabe einer Zeitung mithalten, kein Film mit dem aktuellsten Wetterbericht, wenn das Heute sowieso schon schlechter ist als das Morgen.
Neu ist nicht automatisch gut. Neu ist noch nicht einmal automatisch modern.

Halloween stammt ursprünglich aus Irland und hieß dort „Samhain“. Die Kelten waren davon überzeugt, dass man an diesem Tag Verbindung zu den Verstorbenen aufnehmen konnte. Später transportierten irische Auswanderer den Halloween-Brauch mit nach Nordamerika, wo er besonders von denen gepflegt wurde, die an Dämonen und Geister glaubten.
Wer heutzutage also nach dem Willen unserer Wirtschaft Halloween feiert, zeigt damit, dass er oder sie sich nicht ganz auf der Höhe der Zeit befindet. Vielleicht gibt es ja bald auch Süßwarenartikel, bei denen die Erde als Scheibe  abgebildet ist.
Halloween in Deutschland ist eine Erfindung der Wirtschaft, genau wie der Valentinstag, mit dem schlichten Ziel, mehr Umsatz zu machen.

Luther dagegen wollte den Menschen nichts verkaufen – dafür waren zu jener Zeit andere zuständig. Er hatte nicht vor, berühmt zu werden. Er hatte Angst vor Gott. Er wollte vor ihm gut dastehen und musste immer wieder erleben, dass all seine Anstrengungen, sozusagen ein heiliger Streber zu werden, regelmäßig scheiterten. Luther war ein Leistungsfanatiker, ein Anhänger des ständigen Schneller – Höher – Weiter, bis ihm eines Tages die Augen aufgingen.
Reformation ist der Geburtstag unserer Kirche.
Reformation ist die (Wieder-)Entdeckung der Liebe Gottes als Freiheit: Unser Leben ist schon gelungen, weil Gott Ja zu ihm sagt, noch bevor wir überhaupt irgendetwas dafür getan haben. Es gibt keine Bedingungen oder Forderungen. Wir müssen uns nichts verdienen (hergehört, Ihr armen Finanzleute!).
Martin Luther hat für diese Einsicht seine eigene Haut hingehalten. Die Entdeckung des befreienden Gottes war nicht das Resultat theoretischer Überlegungen, sondern eine Entdeckung mit allen Sinnen, mit Kopf und Herz.
Das bedeutet Reformation. Sich auf Gott einzulassen, ist keine Sache für Stubenhocker. Wer anfängt, über Gott nachzudenken, ist schon mitten in einem Abenteuer, das die ganze Person betrifft. Und das ist weitaus spannender als irgendwelches Gemüse auszuhöhlen.
Kopf oder Kürbis?  Mir jedenfalls fällt es nicht schwer zu wählen.

Wolfgang Blaffert

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