Bausteine zur Konzeption von Jugendarbeit in den Kirchenkreisen
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Konzeptentwicklung
Konzepterarbeitung
Hauptergebnisse der Jugendverbandsstudie
Fachtag Konzeptentwicklung
Vorläufige Fassung der Grundstandards
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Leitbild für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.
I.) Konzeptentwicklung für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im Kirchenkreis
Grundlage für künftige Konzeptionsentwicklungen
Ausgehend von den Grundstandards für die kirchliche Kinder- und Jugendarbeit, sind die Kirchenkreise künftig gehalten, ein inhaltliches Konzept für dieses Handlungsfeld zu entwickeln und ihre Finanzplanung darauf auszurichten. Dieses Vorgehen entspricht auch der gesellschaftlichen Entwicklung und der Situation Jugendlicher, die es zunehmend notwendiger macht, regional und sozialräumlich bezogene Konzepte zu erarbeiten. Die Zeit der Eindeutigkeiten im Bereich der Konzeptentwicklung ist vorbei, und damit auch die Zeit der klassischen Großkonzepte, welche die Konzeptionsdebatte in der evangelischen und kirchlichen Jugendarbeit lange mit Ausschließlichkeitsansprüchen bestimmt haben (z.B. missionarische contra sozial-diakonische Arbeit mit Kindern und Jugendlichen). Die Grundstandards der Landeskirche intendieren, ein umfassendes Konzept für das Ganze des Kirchenkreises und seiner Regionen zu entwickeln.
Ziele für eine Konzeption:
Eine Konzeption soll für die Zukunft eine flächendeckende Jugendarbeit in den Kirchenkreisen, Regionen und Gemeinden sicherstellen. Mit der Entwicklung eines Konzeptes soll erreicht werden:
ein zielorientiertes, planvolles und ergebnisorientiertes Handeln;
eine zielgruppengenaue und sozialraumorientierte Angebotsplanung;
eine nachvollziehbare Prioritätensetzung in der Vielfalt möglicher Handlungsansätze;
eine verbindliche Umsetzung geplanter Arbeitsvorhaben;
eine transparente Kooperationsstruktur;
eine praxisbezogene Überprüfung und die Praxis begleitende Weiterentwicklung der Jugendarbeit;
eine fundierte Darstellung und Präsentation der Jugendarbeit in den Leitungsebenen unserer Kirche und in der Öffentlichkeit.
In diesem Sinne ist Konzeptentwicklung auch Qualitätsentwicklung für die Jugendarbeit im Kirchenkreis. Qualitätsentwicklung beinhaltet eine kontinuierliche Weiterentwicklung des Konzeptes mit Blick auf die Ziele der Arbeit, die Zielgruppen mit denen umgegangen wird, die Arbeitsformen die angewendet werden, die Ausstattung die vorgehalten wird und die Rahmenbedingungen die sicher zu stellen sind, auch mit Blick auf die Flexibilität und die Weiterentwicklung professioneller Kompetenz. Es wird immer wieder notwendig sein, Konzeptionen aktuell anzupassen und die Umsetzung in Beziehung zu setzen zur gesellschaftlichen Entwicklung und Situation Jugendlicher. Darum kann es auch nicht fraglich sein, dass es auch in Zukunft beruflich Mitarbeitende für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen geben muss, denn ohne ihre begleitende, initiierende und stützende Arbeit in den Kirchenkreisen und für die Gemeinden, gäbe es dort keine professionelle Arbeit mit Kindern und Jugendlichen.
Beteiligung an der Konzeptentwicklung
Es ist fachlicher Standard und deshalb sollte der Tatsache Rechnung getragen werden, dass eine gute Konzeptentwicklung ein kommunikativer Prozess ist. Die politische Steuerung der anstehenden Stellenrahmenplanungsprozesse soll durch die KKT´s und KKV´s erfolgen. Dies ist auch notwendig bei den vielerlei Interessen, die ins Spiel kommen. Es gilt jedoch grundsätzlich:
Konzepte müssen gemeinsam entwickelt werden. Es ist deshalb genau zu prüfen, wer einzubeziehen ist, denn nur so entsteht Verbindlichkeit und Transparenz.
Konzepte müssen auf die Situation und auf die regionalen Gegebenheiten bezogen sein, damit sie dem Bedarf der Zielgruppen, der sozialräumlichen Struktur und den vorhandenen Möglichkeiten entsprechen, regionale Eigenheiten berücksichtigen.
Institutionell bedeutet dies die Beteiligung von:
Mitgliedern aus dem KKV und falls vorhanden aus dem Jugendausschuss des KKT
es ist zu prüfen, inwieweit dieser Ausschuss auch die Federführung übernehmen kann;
Mitgliedern aus dem Kirchenkreisjugendkonvent;
Kirchenkreisjugendwartinnen und –warten, Kirchenkreisjugendpastorinnen und –pastoren;
Hauptamtlichen aus den Kirchengemeinden bzw. aus den Regionen;
Kirchenvorständen aus den Regionen, wenn sie über die oben benannte Struktur nicht vertreten sind;
Ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, sofern sie nicht über die Jugendkonvente vertreten sind.
Es ist für die Planung des Prozesses immer auch zu prüfen, inwieweit in den jeweiligen Gremien auch noch einmal im Vorfeld Planungsprozesse durchgeführt werden sollten, die dann in einem Gesamtprozess zu vernetzen sind. So kann es zum Beispiel Sinn machen, dass eine Bestandsaufnahme oder Arbeitsfeldanalyse von den hauptamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, gegebenenfalls auch in Zusammenarbeit mit ehrenamtlichen Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern, schon im Vorfeld erstellt und dann in die Konzeptentwicklung eingebracht wird.
Inhalte der Konzeption für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen
Eine Konzeption muss und soll Aussagen machen zu:
einem Leitbild für die Kinder- und Jugendarbeit, das anschlussfähig an das Leitbild des Kirchenkreises sein muss, sofern ein Kirchenkreis schon ein Leitbild hat;
handlungsleitenden Rahmenzielen, die eine konkretere Richtung und Orientierung für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen vorgeben und von denen dann Planungen für Maßnahmen und Angebote abgeleitet werden können;
einer Arbeitsfeldanalyse, die eine Bestandsaufnahme der vorhandenen Situation in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im Kirchenkreis enthält;
einer qualifizierten Zielgruppenanalyse und insbesondere Aussagen zur gesellschaftlichen, sozialen und beruflichen Situation der Kinder und Jugendlichen und darauf basierend Aussagen über die Perspektiven der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen, hier sind auch aktuelle theoretische Grundlagen der Jugendforschung zu berücksichtigen;
zur Maßnahmen- und Angebotsstruktur der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im Kirchenkreis;
zu Beteiligungsmöglichkeiten der Gemeinden und Regionen mit Blick auf die Planung und Umsetzung einer sich weiterentwickelnden Arbeit mit Kindern und Jugendlichen;
Klärung von Positionen zum Verhältnis der Arbeitsfelder: „Konfirmandenarbeit und Jugendarbeit“ und „Jugendarbeit und Schule“, Umsetzungsstrategien für mögliche Handlungs- und Projektansätze, die entwickelt und benannt werden müssen;
zu Prioritätensetzungen und Grenzziehungen: Nicht alle Gemeinden und Zielgruppen können künftig in gleicher Weise versorgt werden; die Konzeption muss Auskunft geben wie die Verknüpfungen aussehen müssen, damit eine möglichst gute Wirkung in die Fläche möglich bleibt und/oder ob es zentrale Orte im Kirchenkreis geben kann und soll, an denen sich Jugendarbeit in besonderer Weise ausprägt, entwickelt und darstellt (z.B. Jugendkirchen);
einer angemessenen Aufgabenbeschreibung und Aufgabenstellung für den Kirchenkreisjugenddienst und zur Rolle der in ihm tätigen Kirchenkreisjugendwartinnen und –warte und Kirchenkreisjugendpastorinnen und –pastoren (diese Beauftragung sollte in jedem Kirchenkreis ausgesprochen sein);
der künftigen Anstellungs- und Arbeitsebene im Bereich der hauptberuflich Mitarbeitenden in der Jugendarbeit ( Jugenddienst – Kirchenkreisjugenddienst) und der institutionellen Struktur der Zusammenarbeit;
Situation, Qualifikation, Schulung und Begleitung der ehrenamtlich Mitarbeitenden in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen und ihrer Möglichkeit, sich an der aktiven Gestaltung der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen zu beteiligen und Verantwortung für die Arbeit und ihre Planung selbst zu übernehmen.
Aktuelle Konkretionen und Anregungen für die inhaltliche Diskussion
Mit Blick auf die Planungsziele und die Inhalte von zukunftsorientierten Konzeptionen, kann es hilfreich und interessant sein, einige aktuelle Fragestellungen in besonderer Weise in den Blick zu nehmen und zu diskutieren:
Es ist in jedem Fall sicherzustellen und umzusetzen, dass eine Beteiligung Jugendlicher gemäß der Ordnung für die Evangelische Jugend unserer Landeskirche bei der Konzeptionsentwicklung möglich wird. Die Präambel der Ordnung der Evangelischen Jugend steht für ein evangelisches Profil und kennzeichnet es, in dem Sinne, wie es auch im Aktenstück Nr. 138 näher ausgeführt und präzisiert ist. Daran müssen sich die Ziele und muss sich die praktische Arbeit messen lassen.
Eine angemessene personelle und finanzielle Ausstattung für das Arbeitsfeld ist zwingend nötig. Es wird im Kirchenkreis ein Anlaufpunkt, eine Anlaufstelle benötigt, die verbindlich Beratung, Begleitung und Unterstützung sicherstellt. Diese Aufgabe kann der Kirchenkreisjugenddienst wahrnehmen.
Jugendarbeit ist auch Jugendbildungsarbeit. Dies sollte vertieft und verdeutlicht werden. Innerkirchlich wird Kinder- und Jugendarbeit der Säule „Bildung“ zugeordnet. Ohne Klarheit in Bezug auf einen eigenen Bildungsbegriff und ein eigenes Bildungsverständnis in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen wird Jugendarbeit unzureichend wahrgenommen werden. Insbesondere sind die subjektorientierten Aspekte zu berücksichtigen: Jugendarbeit als formelle und auch als informelle Bildung.
Evangelische Jugend ist im Sinne des KJHG ein staatlich anerkannter Jugendverband. Es obliegt evangelischer und kirchlicher Jugendarbeit weiterhin die Aufgabe einer jugendpolitischen Außenvertretung und der Wahrnehmung gesellschaftlicher Aufgaben im Bereich der Jugendarbeit im öffentlichen und kommunalen Raum. Nicht zuletzt werden durch dieses Engagement auch Fördermittel und Drittfinanzierungen für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen sichergestellt.
Die der evangelischen Jugendarbeit von den Jugendforschern der Jugendstudie „Jugendliche als Akteure im Verband“ sehr gut attestierte Reichweite mit Blick auf die Zielgruppe wäre nicht nur zu stabilisieren, sondern auch auszuweiten, und darüber hinaus zu verdeutlichen, dass evangelische Jugendarbeit auf neue „Milieus“ der Zielgruppe zugehen will. Felder wie Jugendsozialarbeit und „Offene Jugendarbeit“ dürfen konzeptionell nicht völlig unberücksichtigt bleiben.
Ein besonderes Augenmerk ist auf eine bessere Vernetzung und Verknüpfung der verschiedenen Arbeitsfelder zu richten, die sich jeweils an die gleiche Zielgruppe richten, im Moment aber noch häufig nebeneinander stehen:
die Verknüpfung von Konfirmandenarbeit und Jugendarbeit und die Entwicklung von Konzepten an der Schnittstelle beider Referenzsysteme;
die Entwicklung von Angeboten schulnaher Jugendarbeit, die Konzipierung und Umsetzung von Kooperationsmodellen;
die Vernetzung der Arbeit mit Kindern mit der Arbeit, die in Kindergärten und Kindertagesstätten geschieht.
Es gibt grundlegende Lebensäußerungen und bewährte Sozialformen und Angebote evangelischer Kinder- und Jugendarbeit, die weiterhin vorkommen und gesichert werden sollten: Dies sind:
Kinder- und Jugendfreizeiten;
Kinder- und Jugendgottesdienste;
Juleica Kurse und Mitarbeiterschulungen, in denen in besonderer Weise religiöse, soziale und emotionale Bildung geschieht;
Jugendbildungsmaßnahmen und Projekte, insbesondere solche, in denen sich eine kind- und jugendgemäße religiöse Spiritualität entfalten kann;
Beteiligungsstrukturen in Form von Jugendkonventen und Mitarbeitendenkreisen.
Darstellung und Auswertung
Gerade bei knappen Ressourcen ist es nötig, ein Konzept mit seiner begründeten Angebotsstruktur öffentlich darzustellen und zu präsentieren. Konzeptentwicklung, die als kommunikativer Prozess ernst genommen wird, muss auch eine Phase der Reflexion und Auswertung einplanen. Für die Reflexions- und Auswertungsprozesse müssen feste Räume, Gelegenheiten und ein zeitlicher Rahmen vorhanden sein. Es kommt darauf an, den Planungsprozess als Kreislaufverfahren zu installieren und zu steuern. Dies ist landeskirchlich auch so vorgesehen. So vorzugehen und solch ein Planungsverfahren einzurichten lohnt sich und sollte künftig nicht nur unter dem Aspekt der Verpflichtung gesehen werden, denn im Rahmen eines solchen Verfahrens wird eine gezielte Reflexion möglich, die mit Sicherheit zu neuen und weiterführenden Erkenntnissen führen kann. Diese können wiederum in die Kinder- und Jugendarbeit einfließen und so eine ständige Weiterentwicklung der Konzepte und der praktischen Arbeit im Sinne von Qualitätsentwicklung ermöglichen.
Siegfried Rupnow
II.) Bausteine für die Erarbeitung eines Konzepts zu den Grundstandards
für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen in Kirchenkreisen
Strukturmerkmale:
Wie lässt sich die Bevölkerungsstruktur des Kirchenkreises bezogen auf Kinder und Jugendliche beschreiben?
Ergeben es sich daraus lokale oder/ und soziale Schwerpunkte für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen?
Welche äußeren Bedingungen bestimmen das Leben von Kindern und Jugendlichen im Besonderen? Was ist ihre eigene Sichtweise?
Einrichtungslandkarte:
Welche Einrichtungen für 1. Kinder und 2. Jugendliche gibt es seitens
- des Kirchenkreises?
- der Gemeinden?
- anderer freier Träger?
- der Kommune(n): Kindertagesstätten, Schulen, Jugendzentren, Cafes, Beratungsstellen, Jugendwerkstätten, sozialdiakonische Einrichtungen, Kinderheime, Jugendbildungs- und Freizeitstätten?
1. Kinder
Was? Macht wer? Mit Wem? (Zielgruppe) In Kooperation mit? Finanzielle Mittel? Bemerkungen
a)
b)
c)
d)
2. Jugendliche
Was? Macht wer? Mit Wem? (Zielgruppe) In Kooperation mit? Finanzielle Mittel Bemerkungen
a)
b)
c)
d)
Angebotslandschaft:
Welche anderen Angebote werden wo seitens a) der Gemeinden bzw. b) des
Kirchenkreises 1. für Kinder und 2. für Jugendliche gemacht? Durch wen? Mit welchem Ziel? (Jugendtreffs, Kindergruppen, Jugendgruppen, Freizeiten, Cafes, Chöre oder andere musische bzw. kulturelle Angebote)
Welche Kinder und Jugendlichen werden erreicht, welche nicht?
a) Gemeinden
1. Kinder
Was? Macht wer? Mit Wem? (Zielgruppe) In Kooperation mit? Finanzielle Mittel Ziel+
2. Jugendliche
Was? Macht wer? Mit Wem? (Zielgruppe) In Kooperation mit? Finanzielle Mittel Ziel
b) Kirchenkreise
1. Kinder
Was? Macht wer? Mit Wem? (Zielgruppe) In Kooperation mit? Finanzielle Mittel Ziel
2. Jugendliche
Was? Macht wer? Mit Wem? (Zielgruppe) In Kooperation mit? Finanzielle Mittel Ziel
Welche Formen von Jugendgottesdienst oder von anderen spirituellen Angeboten gibt es
1. für Kinder und 2. für Jugendliche?
1. Kinder
Was? Macht wer? Mit Wem? (Zielgruppe) In Kooperation mit? Finanzielle Mittel Ziel
2. Jugendliche
Was? Macht wer? Mit Wem? (Zielgruppe) In Kooperation mit? Finanzielle Mittel Ziel
Gibt es schulnahe Angebote der Jugendarbeit? Wenn nein, warum nicht?
Was? Macht wer? Mit Wem? (Zielgruppe) In Kooperation mit? Finanzielle Mittel Ziel
Welche Angebote gibt es, für Jugendliche sich engagieren möchten? Wie wird ihr Engagement gewürdigt und gefördert?
Was? Macht wer? Mit Wem? (Zielgruppe) In Kooperation mit? Finanzielle Mittel, Ziel.
Ausstattung
Welche finanziellen Mittel für die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im Kirchenkreis gibt es? Wenn ja, wieviel, wofür und woher? Wie wird darüber verfügt?
Gibt es Fördervereine, Stiftungen, die speziell die Arbeit mit Kindern und Jugendlichen fördern? Mit welchen Schwerpunkten?
Was? fördert wer? für Wen? (Zielgruppe) In Kooperation mit? Finanzielle Mittel Ziel
Wie viele hauptberuflich Mitarbeitende gibt es? Wie sind sie finanziert?
Wie ist der Kirchenkreisjugenddienst zusammengesetzt?
Was sind seine Aufgaben?
Gibt es Projekte? Wie werden sie genutzt?
Gibt es eine Kirchenkreisjugendpastorin/ einen Kirchenkreisjugendpastor? Welche Aufgaben sind mit der Beauftragung verbunden?
Wie wird die Zusammenarbeit der Hauptberuflich in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im Kirchenkreis organisiert?
Evangelische Jugend:
Gibt es Mitarbeiterkreise bzw. Gemeindejugendkonvente oder vergleichbare Strukturen in den Gemeinden? In welchen?
Gibt es Jugendbeauftragte in den Kirchenvorständen? In welchen?
Gibt es einen Kirchenkreisjugendkonvent?
Welche Mitwirkungsmöglichkeiten haben Ehrenamtliche in der Arbeit mit Kindern und Jugendlichen im Kirchenkreis außerdem?
Wie wir ihr Engagement gefördert?
Gibt es Aktivitäten der Verbände eigener Prägung (ACS, CVJM, CPD, EC, VCP)? Welche und wo? Wie ist die Arbeit mit den übrigen Angeboten im Kirchenkreis vernetzt?
Jugendhilfe
Schnittstellen und Kommunikation
Welche Schnittstellen gibt es und wie lassen sich wohlmöglich bislang getrennte (versäulte) Bereiche besser miteinander verbinden?
Was legt sich nahe? Was ist notwendig? Was wäre wünschenswert? Aus wessen Sicht?
Wie kann die Kommunikation zwischen einzelnen Bereichen und Aufgabenfeldern und ihren Akteuren aufgebaut oder verbessert werden?
Welche Entwicklungen sind heute schon absehbar, die sich auf die beschriebene Lage dahingehend auswirken, dass Veränderungsziele entstehen: Andere Einrichtungen, andere Angebote, neue Kooperationen?
Was muss geschehen, damit diese Veränderungen erreicht werden?
1. Kindertagesstätten – Einrichtungen für Kinder – Angebote für Kinder
2. Schulen – Einrichtungen für Jugendliche – Jugendarbeit
3. Konfirmandenarbeit – Jugendarbeit / Pfarramt – Jugendarbeit
4. Diakonie – Jugendarbeit – Schule: FSJ, Szenenwechsel, KU-Projekte,
5. Evangelische Jugend – Jugendausschuss des Kirchenkreises – kommunale Gremien/Jugendhilfe
6. Evangelische Jugend – Kirchenkreisjugenddienst – Verbände eigener Prägung
III.)„Realität und Reichweite von Jugendverbandsarbeit“ - Hauptergebnisse der Jugendstudie
1 Der Forschungsansatz
Das Forschungsprojekt „Realität und Reichweite von Jugendverbandsarbeit“ untersuchte die Jugendverbandsarbeit aus subjektorientierter Perspektive. Die Ausgangsfrage lautete: „Was machen die Jugendlichen aus dem Verband?“
Dies geschah am Beispiel der aej e. V., den Mitgliedsverbänden der Evangelischen Jugend in Deutschland.
Mit dem subjektorientierten Ansatz unterscheidet sich diese Studie von allen anderen Jugendstudien und liefert Erkenntnisse, die für künftige Praxiskonzepte von essentieller Bedeutung sind.
„Realität und Reichweite von Jugendverbandsarbeit“ ist die größte Jugendstudie seit dem Zweiten Weltkrieg.
2 Wesentliche Ergebnisse
Reichweite:
Insgesamt wird mehr als die Hälfte aller Jugendlichen von Jugendverbandsarbeit erreicht. Die Zahlen im einzelnen:
• Evangelische Jugend 10,1 %,
• Kath. Jugend 8,8 %
• Kommunale Anbieter 15,3 %
• Vereine wie z. B. die Sportjugend 25,1 %
Die Bedeutung der Gruppe:
Die Gruppe besitzt in der Jugendverbandsarbeit einen sehr hohen Stellenwert. In der Evangelischen Jugend ist sie sogar das zentrale Moment. 90 % gehen regelmäßig in eine Gruppe.
Als Gruppenzugänge werden benannt:
• Freunde haben mich mitgenommen
• Eltern (Familie) als Bewahrer der Tradition
• Der Weg über Institutionen (der Konfirmandenunterricht, Religionsunterricht)
• Aus Interesse
Geschlechts- und altersspezifische Zusammensetzung:
Die evangelische Jugendarbeit ist nicht „jungenlastig“. Es ergibt sich vielmehr ein leichter
Überschuss zugunsten des weiblichen Geschlechts von 52% zu 48%.
Motive:
Egoistische und altruistische Beweggründe fließen zusammen bei dem Wunsch, sich einer Gruppe anzuschließen. In Bezug auf die evangelische Jugendarbeit lassen sich 9 Motivstränge ermitteln:
• der Wunsch, etwas für die eigene Entwicklung zu tun
• der Wunsch, etwas Sinnvolles für andere zu tun
• der Wunsch nach Selbstbestimmung
• der Wunsch nach spontaner Teilnahme (sich nicht binden müssen)
• die Sorge, etwas zu verpassen
• der Wunsch, sich situativ zu entscheiden
• der Wunsch, sich mit religiösen Inhalten näher zu beschäftigen
• der Wunsch, außer Haus etwas zu erleben
• der Wunsch nach Zusammenhalt in der Gruppe
Bestimmte Motive gehören zusammen. Insgesamt lassen die Beweggründe sich in einer
„Trias“ zusammenfassen:
Etwas für die eigene Entwicklung tun
Etwas Sinnvolles für andere tun - Geborgenheit in der Gruppe finden
Bemerkenswert ist die Tatsache, dass sich die Motivlage in den verschiedenen Altersgruppen nicht verändert.
Die Rolle der Älteren
Daraus ergibt sich für die Ehrenamtlichen und Beruflichen, die in der Jugendarbeit tätig sind, eine klare Rollenzuschreibung. Sie fungieren nicht als Vorbilder oder Vertrauenspersonen, sondern sind als „Eröffnende“ anzusehen. Ältere schaffen Bedingungen, welche die eigene Entwicklung der Jugendlichen möglich machen und fördern.
Auffällig ist, dass die Älteren vor allem in Bezug auf die Funktion beurteilt werden, die sie in der Jugendarbeit wahrnehmen.
Die Möglichkeit der Orientierungsgebung ist dennoch vorhanden. Ältere werden vor allem dann positiv gesehen, wenn man von ihnen lernen kann und sie den Jugendlichen etwas zutrauen.
Evangelisches Profil
Evangelische Jugendarbeit ist, bei aller Bindung an evangelische Inhalte, sehr plural.
Das bedeutet, dass Evangelische Jugend wie alle anderen Weltanschauungsverbände darauf verwiesen ist, den Spagat zwischen ihrem normativen Profil und ihrer Offenheit für die allgemeinen Trends und Entwicklungen im Jugendbereich zu meistern.
Bildung
Die Evangelische Jugend ist, wie die anderen Jugendverbände auch, ein Ort der Selbstbildung und der informellen Bildungsvermittlung. Daraus ergeben sich spezifische Chancen: Untersuchungen haben ergeben, dass 60% -70% der Wissensinhalte informell vermittelt werden. Bildung gelingt nur, wenn sie zu Selbstbildung wird. Die Jugendverbände können positive Gelegenheitsstrukturen schaffen, die solches Lernen ermöglichen.
Zusammenfassung
Junge Menschen sind nicht bloß Adressaten oder Konsumenten. Für sie ist der Jugendverband ein Ort eigener Aktivitäten. Nicht die „Anbieter“ stellen entscheidend die Realität des Verbandes her, sondern die Jugendlichen, die in ihm agieren. Der Verband ist eine Gelegenheitsstruktur, aus der etwas unendlich Wertvolles entstehen kann, wenn die Jugendlichen als Akteure etwas daraus machen.
3 Perspektiven
Insgesamt zeichnen sich 5 Themenkomplexe ab, die weiter zu bearbeiten sind:
1. Das von Jugendlichen aufgezeigte Eigenschaftsprofil als Potential annehmen.
2. Die von Jugendlichen aufgezeigte Rolle der JugendleiterInnen aufnehmen.
3. Die Bedeutung von Jugendgruppen herausstellen.
4. Konzeptionell die Rolle der Jugendlichen als Akteure, nicht als Adressaten (von
Angeboten) aufnehmen.
5. Ein öffentlichkeits-, jugend- und kirchenpolitisches Konzept entwickeln.
4 Quellen
Band 1 • Fauser, Katrin & Münchmeier, Richard & Fischer, Arthur (Hrsg.)
Jugendliche als Akteure im Verband
Ergebnisse einer empirischen Untersuchung der Evangelischen Jugend
3-86649-065-8 Erscheinungsjahr: 10/2006 354 Seiten
Band 2 • Fauser, Katrin & Münchmeier, Richard & Fischer, Arthur (Hrsg.)
"Man muss es selbst erlebt haben..."
Biografische Porträts Jugendlicher aus der Evangelischen Jugend
3-86649-066-6 Erscheinungsjahr: 10/2006 318 Seiten
Band 3 • Corsa, Mike (Hrsg.), Praxisentwicklung im Jugendverband
Prozesse - Projekte - Module
978386649-067-3 Erscheinungsjahr: 3/2007 180 Seiten
„Die Hauptergebnisse der Studie »Realität und Reichweite von Jugendverbandsarbeit“
www.aejn.de – dort unter „news“: „Auf neuen Gleisen“, 03. September 2006
Fachtag zur Konzeptionsentwicklung am 11. Mai 2007
Prof. Dr. Benedikt Sturzenhecker steht für einen Fachtag zur Vorbereitung und Planung von Konzeptentwicklung in der Jugendarbeit im Rahmen der avisierten Grundstandards zur Verfügung. Er wird über den aktuellen fachlichen Stand der Konzeptentwicklung referieren, Aufwand und Ertrag, Zeitmanagement und Vorgehensweisen vorstellen und Entscheidungshilfen für eine »umfangreiche« oder »abgespeckte« Variante vermitteln. Am Ende des Tages sollen die Teilnehmenden in der Lage sein, Verabredungen zu treffen, wie Konzeptentwicklung angegangen werden, welches Verlaufsraster genommen werden soll und wie eine Prozessbegleitung geschehen kann.
Termin
Am 11. Mai 2007, 10.00 bis 18.00 Uhr
im Evangelischen Jugendhof Sachsenhain/Verden
Anmeldung zur Fachtagung
Per Email mit Namen und Anschrift
bei Frau Christine Ingrid Kiem an.
Dieses Angebot entspricht dem regen Wunsch, bezüglich anstehender Konzeptentwicklungsprozesse einen fachlich guten Start hinzubekommen: »Reflexiver Anfang oder: Der Start ist vor dem Start« (Prof. Dr. Benedikt Sturzenhecker).
Literatur: Benedikt Sturzenhecker, Ulrich Deinet (Hrsg.): Konzeptentwicklung in der Kinder- und Jugendarbeit. Erscheint demnächst im Juventa Verlag
Manfred Neubauer