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Koffer schon gepackt?

Ferien: Nomadentum auf Zeit!

 

Menschen machen sich auf und reisen nach nah oder fern. Manche wollen nur ankommen, andere sind begeistert vom Unterwegssein. 
Reisen macht beweglich! Selbst wer seinen Wagen bis unters Dach vollpackt, lässt den größten Teil seiner Habe zu Hause. Reisen macht leicht. Wir haben so vieles nicht nötig.
Zumindest für ein paar Tage oder Wochen im Jahr lassen wir den ganzen Ballast an Besitz und Verpflichtungen hinter uns. Reisen ist (auch) eine besondere Art von Fasten. Wir lösen uns aus dem, was uns im Alltag bindet, wir tauschen Vertrautes gegen Unbekanntes oder weniger Vertrautes. Und genau so gern kehren wir am Ende wieder nach Hause zurück. Wir zumindest haben noch diese Wahl. Millionen von Flüchtlingen haben sie nicht mehr. Reisen ist eben kein Vertriebenwerden.
Aber auch Reisen macht schutzloser und verstärkt mitunter de Sehnsucht nach Geborgenheit. Denn niemand  hält es aus, im ständigen Wechsel zu leben. Jede und jeder sehnt sich nach etwas, das zuverlässig und dauerhaft ist,  nach “Heimat”.  Wir alle leben in dieser besonderen Spannung von Vorläufigkeit und dem Wunsch nach Beständigem.
Die Bibel weiß, dass der Mensch in der Welt bestenfalls ein Zuhause auf  Zeit finden kann und immer wieder Abschied nehmen muss: von Weggefährten, von Orten. Die Bibel weiß, dass  die Welt für den Menschen zu klein ist; dass wir in ihr nicht restlos aufgehen.  Denn ständig ist das Personal in ihr auf Reisen, auf der Suche, auf der Flucht oder auf Wanderschaft.
Einer davon ist Jesus:
Als aber Jesus die Menge um sich sah, befahl er, hinüber ans andere Ufer zu fahren. Und es trat ein Schriftgelehrter herzu und sprach zu ihm: Meister, ich will dir folgen, wohin du gehst. Jesus sagte zu ihm: Die Füchse haben Gruben, und die Vögel unter dem Himmel haben Nester; aber der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege. (Mt. 8, 18-20)
 
Wer sich auf einen Weg macht, begibt sich immer auch auf unsicheres Gelände. Aber  dieser Schriftgelehrte hat erkannt, wer Jesus ist, und so will er ihm überallhin folgen, d.h. er will seine Verbindung zu ihm absichern. Als Antwort erhält er, dass der Menschensohn nichts habe, wo er sein Haupt hinlege.
Das ist keine Klage, sondern ein Programm. Jesus macht radikal ernst mit der Heimatlosigkeit des Menschen in der Welt; er verzichtet auf alle vermeintlichen Sicherheiten und lügt sich nicht darüber hinweg. Der Schriftgelehrte, der Jesus nachfolgen will, wird gewarnt. Er solle sich sehr genau überlegen, was er da tun wolle. 
Die Folgen dieser Entscheidung rühren ans Grundlegende. Wenn du mir nachfolgen willst, erklärt Jesus dem Schriftgelehrten, dann musst du in Bewegung bleiben, nicht nur physisch, sondern auch im Denken, auch in deinen Überzeugungen,. Wenn du mir nachfolgen willst, dann darfst du das Vorläufige nicht mit dem Endgültigen verwechseln.
Der Menschensohn hat nichts, wo er sein Haupt hinlege – das klingt beängstigend; nach einer Aufgabe allein für Hypergläubige. Doch es geht gar nicht um eine Frömmigkeitsolympiade.
Was Jesus hier von sich mitteilt, das bezieht er zugleich auf uns alle !  Der Mensch geht nicht auf in der Welt. 
Aber zum Leben gehört eben auch das Vorläufige; gehören die alltäglichen Dinge. Es ist genauso falsch, wenn man mit ihnen nichts zu tun haben will.
Wir können in den Evangelien nachlesen, dass Jesus kein Weltflüchter war, keiner, der es nicht abwarten konnte, möglichst schnell in die Ewigkeit zu entkommen. Die Welt ist für Jesus kein Jammertal, sondern ein Ort vielfältiger Freude.
Wir wissen, dass er kein Asket war, sondern gern mit anderen zusammen war, um zu feiern. Es gibt zahlreiche  Berichte im Neuen Testament, in denen von Trinken und Essen die Rede ist. Wir wissen, dass Jesus im Umgang mit Menschen hellwach gewesen ist für ihre Nöte und Sorgen, ohne falsche Rücksichten zu nehmen. Wenn es nötig war, konnte er ebenso hart und verletzend sein. Wir wissen, dass er sich freuen konnte, dass er Gemeinschaft suchte und gleichzeitig immer wieder das Alleinsein brauchte. 
An ihm können wir lernen, was es heißt, dass der Mensch in der Welt nicht aufgeht.
Wir sind auf der Durchreise, aber nicht auf einer Strafexpedition. Im Gegensatz zu heutigen Vorstellungen betrachtet Jesus unser Dasein nicht als Irrfahrt. Wir stolpern nicht blind durch die Gegend, sondern wir sind unterwegs. Unterwegs ist nur, wer ein Ziel hat. Und nur wer ein Ziel hat, kann einen Weg gehen. Alles andere ist Tappen im Nebel.
Der Wanderprediger aus Nazareth hat ernst gemacht mit der Heimatlosigkeit des Menschen. Er hat sie in seinem Leben abgebildet. Aber das konnte er nur, weil er eine Heimat gefunden hatte in seiner Beziehung zu Gott, die er über alle sonstigen Bindungen stellte.                        

Was ist das Dauerhafte unseres Lebens ? Was gibt, bei allen Veränderungen und Wechseln, unserem Leben Beständigkeit ? 

Vor kurzem verabschiedete ich mich von der ehemaligen Lehrerin unseres Sohnes, die in Pension ging. Sie strahlte mich an und sagte: „Genieß deine Zeit hier. Genieß dein Leben, denn es ist so schön.“                     
 
Genießt euer Leben !  Das gilt nicht nur für die Urlaubszeit; das gilt für jeden Tag !  Schöpft euer Leben aus ! Es geht nicht darum, dass wir uns die Taschen füllen oder die Mägen. Es geht darum, dass wir uns die Herzen füllen – mit Begegnungen, mit Freundschaften, mit Liebe. Festhalten können wir das alles nicht. Wir nicht. Aber solange Abschiede uns weh tun, können wir sicher sein, dass wir leben.
Und das wünsche ich uns allen: dass wir, solange wir leben, tatsächlich leben; dass wir uns immer von neuem entzünden lassen, begeistern lassen von dem, der uns trägt und bewahrt.
Gott wird uns nicht verlöschen lassen, sondern wird uns immer etwas mitgeben, das unser Leben zum Leuchten bringen kann. Darauf vertraue ich.
Eine traumschöne Urlaubszeit!                  
Wolfgang Blaffert

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