...der Spaßbremsentag: Büßen - wofür?
Was, wenn ich damit gar nichts zu tun haben will?
„Wer seine Sünde leugnet, dem wird’s nicht gelingen; wer sie aber bekennt und lässt, der wird Barmherzigkeit erlangen.“
(Sprüche 28,13).
Wahrheit kann unbequem sein. Wahrheit kann weh tun.
Kein Wunder, dass ihr viele Menschen allzu gerne ausweichen. Die Frage ist nur, wie weit sie damit kommen.
„Lügen haben kurze Beine,“ heißt es. Die Wahrheit ist schneller. Sie holt uns immer ein, egal, wir sehr wir uns auch bemühen, ihr zu entkommen. Wir versuchen es trotzdem. Wahrheit kann Angst machen.
Der Buß- und Bettag ist kein Tag für pralle Partys. Zu feiern gibt es nichts – zu prüfen dafür jede Menge.
Einmal in den Spiegel gucken und sich so sehen, wie man tatsächlich ist. Ungeschminkt. Einmal auf das eigene Leben schauen und es nicht „schönlügen“. Einmal der Wirklichkeit von Auge zu Auge gegenüberstehen, ohne sich gleich wieder aus ihr wegträumen zu wollen.
„Tag der Wahrheit“ könnte man den Buß- und Bettag auch nennen. An dem Tag geht es ans Eingemachte. Nobody is perfect. Aber was bedeutet das eigentlich? Das Wort aus dem Buch der Sprüche redet von „Sünde“. Es geht dabei nicht um irgendwelche Unartigkeiten oder andere Albernheiten. „Sünde“ reicht tiefer. Sünde ist immer das, was mich gefangen nimmt und lähmt. Sie liegt wie ein Stein auf mir, selbst wenn niemand sonst davon weiß. Denn das Herz ist unbestechlich und vergisst nicht.Heute ist Gelegenheit, solche Steine oder Felsbrocken zu heben. Genau das ist Buße: eine Entrümpelungsaktion der Seele, ein Großreinemachen im eigenen Leben. Alles, was sich an selbst fabriziertem Schrott angesammelt hat, fliegt raus. Aufräumen also: klingt anstrengend und ist es auch. Das Gute daran ist, wir müssen es nicht allein tun. Zum Büßen kommt das Beten hinzu. Das Entscheidende an dieser Art von Aufräumen ist, dass wir es nicht allein tun können. Sünde und Schuld gehören zu jeder Biographie. Unmöglich, sie einfach herausschneiden wie einen Tumor. Schon die Weisheit des Alten Testaments weiß genau, dass niemand sich selbst erlösen kann. Schon sie weiß von der Liebe Gottes, die allein das Krumme wieder gerade machen kann, das Zerbrochene wieder ganz. Gott will nicht richten, sondern aufrichten. Dazu gehört, dass wir uns der Wahrheit über uns stellen und uns von allem trennen, was wir als „falsch“ erkannt haben. Dazu gehört, dass wir unser Leben betend in Gottes Hände legen. Dort ist es gut aufgehoben.
Der Buß- und Bettag lädt uns ein zu leben. Denn Gottes Wahrheit heilt und befreit. Wolfgang Blaffert