Vor einiger Zeit landete eine merkwürdige E-Mail in meinem Postfach. Da stand nur: Magst Du eher Blaugestreiftes oder Blaugepunktetes?
Was sollte ich nun dazu sagen? Ich wusste doch nicht, wer oder was gestreift oder gepunktet sein sollte. Alles, was ich mir zusammenreimen konnte, war, dass es sich wohl um ein Geburtstagsgeschenk handelte.
Sich zu entscheiden, fällt in einer Zeit schwer, in der das eine wie das andere schnell aus der Mode gerät. Und so überlegte ich nun, mit welcher der beiden Alternativen ich wohl länger im Trend bleiben würde. Was heute noch neu ist, dachte ich mir, kann morgen schon total out sein. Und das gilt für Blaugestreiftes genauso wie für Blaugepunktetes.
»Siehe, ich mache alles neu!«, heißt es in der Offenbarung des Johannes. Hm, denke ich, ist das jetzt auch ein Plädoyer für die Kurzweiligkeit? Ein Aufruf, sich möglichst oft von vermeintlich altem Kram zu trennen, ständig in Neues zu investieren, emotional und finanziell? Und das, um möglichst immer hip und up to date zu bleiben?
Etwas neu machen, erneuern, neu bedenken, muss nicht immer heißen: Raus mit dem alten Kram. Altes und Al(l)tag, Gebrauchtes und Verstaubtes, Blaugestreiftes und Blaugepunktetes sind nicht zwangsläufig nach Ablauf des Verfallsdatums mit dem Stigma des »ewig Gestrigen« behaftet und verschließen sich nicht von vornherein neuen Trends und Entwicklungen.
»Siehe, ich mache alles neu!« In der Johannesoffenbarung geht es nicht um solche Kleinigkeiten wie ein Geburtstagsgeschenk. Da geht es gleich um die Erneuerung der ganzen Welt. Da geht es darum, dass der Himmel endlich auf der Erde Einzug hält und sich die himmlischen Zustände, die mit Gott und seinem Sohn angebrochen sind, auf der Erde verwirklichen. Das soll keineswegs so geschehen, dass der alten, verbrauchten Erde nicht mehr gedacht wird. Es besteht eine Kontinuität zwischen beiden. Die Erde bleibt die, die sie ist, aber sie bekommt eine neue Qualität, sie wird unter ein anderes Licht gestellt. Was früher dunkel und schwarz war, erscheint unter dem Licht Gottes bunt, ja vielleicht sogar blaugestreift. Das Alte wird in seinem Kern bewahrt, nur alles, was sich störend und vernichtend um diesen Kern tummelt, wird beseitigt, so dass man wieder das Wesentliche, ja, auch das Althergebrachte, neu betrachten kann.
Siehe, ich mache alles neu!: Altes und Verstaubtes mal in die Hand nehmen und abstauben, mich daran erinnern, wann und wo man es erstanden hat, wer es einem mit welchen Worten geschenkt hat.
Ich möchte in der Fastenzeit eine kleine Zeit abstauben, um über den alten Glauben nachzudenken, zu ergründen, was er mir heute Neues sagen möchte, zu erspüren, dass Gott mich bewahren und alles beseitigen möchte, was sich störend und vernichtend um mich tummelt, mal nachsinnen, was an meinem Alltag bewährt und gut ist, ohne gleich immer das »Langweilige« zu sehen. Mal auf das Herz hören, dass mir flüstert, dass der Anblick eines geliebten Menschen wichtiger ist, als ein kurzweiliger Höhenflug der Selbstverwirklichung. Ich möchte mir Zeit für die Beziehung zu Gott nehmen, der viel zu oft in die Ecke verbannt wird, in der der alte Kram liegt, der aus der Mode gekommen ist. Ihn will ich aus dieser Ecke hervorholen und überlegen, was sich an der Beziehung zu ihm bewährt hat und wo ich mich von ihm erneuern lassen darf.
Dafür möchte ich mir Zeit nehmen. Und vielleicht ziehe ich vorher mein altes blaugestreiftes Hemd an, das ist nämlich auch in der Ecke mit dem alten Kram gelandet.
Alida Weinert, Projekt Szenenwechsel im Landesjugendpfarramt